Hallo liebe Melanie und Sophie!
Woher kommt eigentlich Eure Liebe zu außergewöhnlichen Kostümen?
M: Mir gefällt die Opulenz, die Vielfalt an Details und die Möglichkeit verschiedene Stoffe miteinander zu kombinieren. Es lässt die Inspiration fliegen und gibt der Phantasie ein großes Spielfeld. Und ich liebe einfach Schönheit!
Historische Mode glorifiziert die Weiblichkeit. Sie verneigt sich vor der schmalen Taille, genießt die edle Linie der Schulter, lässt die Brust in Rüschen versinken, umwebt den Hals mit Gold & Edelsteinen. Die Unmengen an schönsten Spitzen, Samt und Brokat dienen nur dazu die weibliche Silhouette in einen reizenden Traum zu verwandeln.
Um ein historisches Kleid entstehen zu lassen, braucht man ein Ziel – Schönheit.
Der Entstehungsprozess soll von Glücksgefühlen begleitet und von goldenen Sonnenstrahlen beleuchtet sein.
S: Bei mir kam die Begeisterung für besondere Kostüme von klein an mit den Arbeiten von Melanie auf. Ich durfte sie im Entstehungsprozess oft anprobieren und wenn man die Kleider in echt sieht, lösen sie wirklich was unglaubliches aus, eben durch das Zusammenspiel der Materialien und auch den fein gewählten Farben. In die Details muss man sich einfach verlieben. Und wenn man selbst so ein Kleid tragen darf, kommt man von der Bewunderung dafür nicht mehr los.
Wie entsteht bei Euch ein Kleid?
M: Die Form und die Idee des Kleides ist oft schon in dem Stoff festgelegt. Der ausgesuchte Stoff zeigt selbst, was man mit ihm machen soll. Ich mache die Augen zu und lasse die Stoffe tanzen. Es ist aus sich selbst heraus magisch-schön und die letzte Pirouette bestimmt, wie das Kleid aussehen soll. Die Welt der Stoffe, Borten und Perlen ist so reich an Eindrücken und weckt in der Seele so intensive Gefühle, dass man keine zusätzliche Inspiration mehr braucht.
S: Ich liebe die Mischung aus Klassischem und Phantastischem. Ich finde es sehr interessant Neues zu erschaffen, aber einem altbekannten Urgefühl und Wissen um Schönheit treu zu bleiben. Da sind vergangene Epochen natürlich reich an Ideen und Richtungen.
Bei instagram war eine Frage besonders oft vertreten:
Woher nehmt Ihr Eure Inspiration? Gibt es besondere Künstler oder Werke, die Euch inspirieren?
M: Ich liebe Kunst und Schönheit. Somit gibt es vieles, was mich inspiriert. Schon als Kind konnte ich stundenlang Kunstalben und Bilderbücher durchschauen. Meine Eltern hatten eine große Bibliothek und ich hatte die schönsten Bücher über verschiedene Kunstrichtungen. Wenn man Portraitkunst liebt, wird man gleichzeitig auf die Kostüme aufmerksam. So entstand auch bei mir das Interesse an Mode. Bis jetzt orientiere ich mich leicht an der Kunst- und Kostümgeschichte. Das hat meinen Geschmack und meine Prioritäten geformt. Aber, wenn man über ganz besondere Eindrücke spricht, so war es das Bild vom russischen Maler Wrubel „Die Schwanenprinzessin“ – bis jetzt ist und bleibt Sie für mich das schönste Frauengesicht überhaupt. Ich war und bin fasziniert von ihr und in vielen meiner Kleider strebe ich nach dem zarten, feinen Glitzer, wie auf dem Schleier, der sie umgibt. Ebenso stark inspirierend sind für mich die Kostüme von Bakst, die er für die Aufführungen des Djagilew-Ballett in Paris entworfen hat.
Unbedingt erwähnt werden muss auch der frühe Renaissance Maler Giotto. So wie er die Kostüme malte, die Falten auf den Überwürfen darstellte, erweckte es bei mir eine große Liebe zu Stoffen.
Jetzt sollte ich aber lieber aufhören, sonst kommen nur mehr und mehr Künstler dazu, weil es eine wahrhaft schwierige Frage ist. Ich fühle mich schon fast schuldig vor den Malern, die ich liebe, aber in dieser Antwort nicht genannt habe. 🙂
S: Und ich habe die riesige Ehre mit all dem auch aufwachsen zu dürfen – so formte sich schon früh ein komplexes und facettenreiches Bild und Gefühl von Ästhetik. Gerade in der heutigen Zeit, in der vieles digital ist, merkt man, wie unersetzlich und wichtig Bücher sind! Oder gemeinsames Kunst schaffen, von klein auf. So hat das eigene Talent die meiste Zeit um sich zu füllen und zu entfalten.
Mich beeindruckt und inspiriert die Zeitlosigkeit antiker Skulpturen und Mythen – Dinge, die Jahrtausende überdauern können und stets auf‘s Neue unergründlich beeindrucken können – was für unglaubliche Dinge ein Mensch alleine mit seinen Gedanken und Händen erschaffen kann; so wie meine Mutter! Ich bin wahnsinnig stolz ihr beim Arbeiten zusehen zu können, mit all dem wundersamen, was direkt vor meinen Augen entsteht und sie auch bei allem beraten und mithelfen zu dürfen.
In der internationalen Mode bin ich ein großer Fan von Alexander McQueen und auf instagram von Künstlerinnen wie @grimildemalatesta oder @antoniasautter.
@christina_heartmill, @eldalagren, @mariamantisphotography, @idavonaves und @aucontrairephotography zähle ich zu sehr interessanten Persönlichkeiten, die in der heutigen Zeit, aus tiefem, eigenen Feuer heraus, zeitlose, wunderschöne Kunstwerke erschaffen. Besonders dankbar sind wir auch über all die Erfahrungen mit @nadjahirschmann, deren Kunst mich auch bei der Kostümzusammenstellung, den Accessoires und der Charaktererschaffung drumherum beflügelt. Generell sind Kostümphotographie & Fantasyshootings eine wahnsinnig inspirierende Erfahrung, die Jeder mal erlebt haben sollte.
Welche Epoche findet ihr besonders interessant?
M: Die Frage ist schwierig, weil jede Epoche einmalige Modeerfindungen hat, traumschöne Silhouetten, atemberaubende Elemente und vieles noch, was sehr fasziniert.
Meine liebsten sind jedoch: Renaissance, Barock, Rokoko. Die Kostüme dieser Epochen zeichnen sich ab durch Opulenz und besondere Vorliebe zu Stoffen. Die voluminösen Formen, edelste Materialien, prächtiger Schmuck und das wahre Farbenparadies ziehen mich an. Durch die Vielfalt und den Reichtum an Materialien wird das Leben zelebriert.
Ein Kleid, wie eine Lobeshymne!
S: Ich kenne mich da ehrlich gesagt nicht ganz so gut aus und tendiere eher schlichter zur Gotik, die dann ins heutige Gothic-Viktorianische mündet. So kleide ich mich auch gerne am liebsten selbst. Das viktorianische Picknick beim WGT lässt mich jedes Jahr auf‘s Neue staunen.
M: Gothic ist auch eine sehr wichtige Moderichtung für mich. Es geht um Kleidungsstücke aus Leder, schwarze Farbe, Elemente aus Metall, Netzstoff, Federborten. Im Vergleich zur Opulenz von Barock und Rokoko erfordert Gothic Intensität durch Minimalismus. Hier geht es weniger um die Materialien, sondern um die Form und „Überaschungseffekte“, das heißt – neue, frische Visionen und unerwartete Ideen. Hier geht es weniger um Gefühle, sondern Intellekt und Kreativität.
Seid ihr dieses Jahr beim WGT dabei?
S: Leider sind wir nicht beim WGT dabei und waren es tatsächlich auch noch nie. Es hat zeitlich oder logistisch einfach noch nie geklappt. Dafür waren aber schon viele Werke von uns da! Wir freuen uns am allermeisten über alle Einsendungen um die Zeit und Einblicke von Freunden und Bekannten.
Wo kann man Euch treffen? Habt ihr einen Stand oder ein Geschäft?
M: Wir arbeiten von zuhause aus. Ein für die Kunden zugänglicher Verkaufsraum wäre vorteilhaft, wenn man in einer Großstadt wohnt. Wir leben aber in einer kleinen Ortschaft. Treffen mit uns kann man dennoch gerne nach Bedarf organisieren. Dafür sollte man uns aber zuerst über Mail, Instagram oder die Webseite kontaktieren.
Danke für die interessanten Antworten! Wo geht es hin und wo seht ihr Euch in den nächsten Jahren?
S: Lange Zeit war es ein großer Traum von mir ein Atelier mit Verkaufsraum am Bodensee zu eröffnen, aber mittlerweile habe ich das eher zurückgezogene Künstlerdasein, mit persönlichem und exklusiven Kundenempfang, sehr zu schätzen gelernt. Von daher wäre mehr Bekanntheit im Internet ein großer Traum und einige richtig gute, neue Kontakte aus dem Bereich Reenactment, Photographie oder der High Society, damit unsere Kleider endlich mal was von der Welt sehen können. Jemanden für eine Gala einkleiden zu dürfen wäre auch ein sehr großer Traum oder mal eine Ausstellung in einem Museum oder Kostüme für einen Film stellen zu dürfen…
Auch wenn es wirkt, als stünden wir mit allem schon mittendrin, sind wir erst am Anfang unserer Reise!
M: Ich schließe mich meiner Tochter an und bin sicher, dass sie noch viele gute Ideen verwirklichen wird. In der Zukunft wird alles wunderschön!
Danke für das tolle Interview! Eine letzte Frage noch: Wenn Ihr eine berühmte Person für den roten Teppich einkleiden dürftet, wer wäre das?
M: Monica Bellucci!
S: Lady Gaga fände ich genial! Aber auch Chappell Roan, Kerli oder Lisa Eckhart!
